Die Leichtathletik ist eine „Urdisziplin“ des Sports, in ihr wurden Bewegungsformen über Jahrzehnte hinweg perfektioniert und verbessert. Menschliche „Grundbewegungsformen“ wie Rennen, Laufen, Springen, Werfen finden hier ihre perfektionierte Ausgestaltung. Grund genug sich mit ihr und im Speziellen mit ihrer Trainingsgegebenheiten auseinanderzusetzen.

Während Leichtathletikstadien für die Bevölkerung immer mehr verschwinden, bietet das Training im Stadion sehr großes Potential. Denn nicht nur Leichtathleten selbst, die ihre Wettkämpfe und Leistungen auf Tartanbahnen erbringen, sondern auch der Hobbysportler können diesen Untergrund effektiv für das Training nutzen.

Im Folgenden möchte ich auf die Trainingseigenschaften auf der Tartanbahn eingehen.

Meine Erfahrung mit Bahntraining


Im vergangen Sommersemester habe ich meine Leichtathletikprüfung (Hürdentechnik, Schleuderball, 200m, 400m, Kugelstoßen, 1000m, Hoch- und Weitsprung waren meine Prüfungsdisziplinen, auf die ich mich vorbereitete) meines Sportstudiums absolviert.

Dies bedeutete viel Training auf der „Bahn“. Schon früh – und vollkommen berechtigt – bekamen meine Kommilitonen und ich den Hinweis von unseren Dozenten, sich an das Bahntraining und Trainieren mit Spikes zu gewöhnen, um Überlastungserscheinungen zu verhindern (ein häufig auftretendes Problem dabei ist die Knochenhautentzündung am Schienbein). Running with spikes on track Spikes nennen wir Leichtathleten unsere Schuhe, die an der Sohle im Vorderfußbereich mit kleinen Nägeln ausgestattet sind. Je nach Untergrund variiert die Länge zwischen 6mm (für Tartan) und ca. 12mm (auf Lehmboden), wodurch wir einen besseren Grip zum Boden erhalten.

Spikes sind den Fußballstollen sehr ähnlich, nur dass wir eben wirkliche Metallnägel und keine Kunststoff Noppen tragen ;-)

Natürlich muss man nicht mit Spikes auf der Tartanbahn trainieren, jedoch ist die Bahn für viele Hobbyläufer, die vor allem weiche Waldwegen gewohnt sind, ein ungewohntes Terrain. Die Bahn bietet hier eine sinnvolle Ergänzung für den Sportler und ermöglicht es neuen Ambitionen nachzugehen, bspw. durch ein Intervalltraining. Spikes (Laufschuhe) Spikes sind primär nicht gesundheitsfördernd konzipiert, sondern leistungsoptimierend. In fast allen Lauf- und Sprintdisziplinen der Leichtathletik ist der aktiv-greifende Fußaufsatz grundlegend. Er ermöglicht einen nach vorne ziehenden Abdruck und katapultiert den Athleten über die Bahn. Dabei wirken enorme Bodenreaktionskräfte (wer tiefer ins Zahlenmaterial einsteigen will kann sich gerne melden).

Dies bedeutet eine enorme Belastung und je nach Athlet eine enorm hohe Beanspruchung der Strukturen (Knochen, Sehnen, Bänder, Muskeln, Gelenke …) – abhängig von Körpergewicht, Trainingszustand, Trainingsjahren und der damit verbundene Anpassungen.

Vorteile des Lauftrainings auf der Tartanbahn


Der wesentliche Vorteil einer Tartanbahn ist der effektive Abdruck beim Laufen, Rennen und Sprinten bezogen auf die Laufdisziplinen und Lauftraining. Des Weiteren können Intervalle optimal auf der Bahn trainiert werden, da eine genaue Strecken- bzw. Intervalllänge möglich ist.

Gerade für Laufsportler ist das Leichtathletik-Stadion oder eben eine einfache 400-Meter-Tartanbahn ein guter Treffpunkt für gemeinsame Einheiten oder um neue Sportler und Freunde kennen zu lernen. Das Intervalltraining kann hier sehr vielfältig und abwechslungsreich gestaltet werden.

Beispielsweise kann man im Wechselspiel mit dem Partner eine Außen- und Innenbahn laufen, oder man beginnt versetzt und versucht den Vorläufer einzuholen. male running group Um Laufökonomie und -effizienz zu schulen eignet sich die Bahn ebenso hervorragend. Beispielsweise kann man den geradlinigen Lauf durch die Orientierung an den Bahnlinien schulen.

Das Lauf-ABC kann ebenso optimal auf der Bahn umgesetzt werden und verbessert den Laufstil grundlegend und sollte regelmäßig von Läufern durchgeführt werden. Dazu zählen Fußgelenksarbeit, Skippings, Kniehebelauf, Anfersen sowie der Schlaglauf, Traberlauf und andere Leichtathletik-spezifische Formen.

Allgemein sollten die Koordinationsläufe ca. 15-25m lang sein, es sollte nicht abrupt abgebremst werden, sondern 10-15m locker „herausgelaufen“ werden. Das Lauf-ABC stabilisiert das Fußgewölbe und Sprunggelenke, wenn es barfuß auf dem Rasen ausgeführt wird und schult die Genauigkeit und Geradlinigkeit, wenn es auf einer Linie durchgeführt wird.

Es verbessern sich die 4 Phasen des Sprintlaufschritts, bezogen auf ein Bein sind das

1. die hintere Stützphase (Kniehebelauf, Skippings),
2. die hintere Schwungphase (Anfersen),
3. die vordere Schwungphase (Skippings, Kniehebeläufe) und
4. die vordere Stützphase (Traberlauf). Bahntraining Bahneinheiten sind sehr anstrengend und in der Regel intensiv (Intervalltraining).

Ich empfehle dafür Laufschuhe ohne starke Dämpfung, um den Abdruck auf der Bahn zu spüren und das Feeling der Tartanbahn bewusst wahrzunehmen

Mir gefällt aktuell mein Adidas Adizero Tempo 5 sehr gut für das Bahntraining. Vor allem die CONTINENTAL-Außensohle hat einen guten Grip auf der Bahn, diese ist jedoch auch in anderen Modellen verbaut ;-)
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Unterm Strich sind Einheiten auf der Tartanbahn eine sinnvolle Ergänzung zum gewöhnlichen Laufen auf Waldwegen sind. Das Intervalltraining auf der Bahn kann zu deutlichen Leistungsverbesserungen führen.

Aus eigener Erfahrung finde ich Einheiten auf der Tartanbahn sehr intensiv und anstrengend, dementsprechend sollte auch, wenn möglich, anschließend eine regenerative Maßnahme stattfinden wie bspw. ein barfüßiges Auslaufen auf dem Rasen, um das Fußgewölbe und andere Strukturen zu entlasten oder eine kurze Erfrischung der Beine in einem kalten, nahe gelegen Bach, Fluss oder Gewässer.

Des Weiteren kann man auch in einer Sandgrube oder einem nahe gelegenen Beachvolleyball- Feld barfuß laufen. Dabei kann man sich bewusst mit den Zehen im Sand nach vorne ziehen und dies abwechselnd mit einem leichten Auslaufen im Sand kombinieren.

Bei nasser Bahn ist allerdings Vorsicht geboten, da hier die Bodenhaftung stark abnimmt und man vor allem in den Kurven leicht ausrutscht.

Also, ab geht’s auf die Bahn!

Wer will schon ständig nur einen Boden unter den Füßen spüren!? ;-)