Der Name Benjamin "Benni" Raich sagt wohl jedem etwas, der schon mal ein Ski Alpin Wettbewerb verfolgt hat. Der Österreicher aus dem Pitztal in Tirol war in den frühen 2000er Jahren einer der besten Skifahrer der Welt. Das Besondere war, dass er in allen Disziplinen startete und auch in allen durchaus erfolgreich war.

Mit zweimal Gold bei Olympia 2006, drei Weltmeistertiteln und insgesamt 36 Weltcupsiegen ist er der dritterfolgreichste Skifahrer des ÖSV. Nur Marcel Hirscher (60, Stand: 12.12.2018) und Hermann Maier (54) konnten noch mehr Siege verbuchen.

Wir konnten, dank unseres Partners Schöffel, Benjamin "Benni" Raich einige Fragen stellen. In dem Interview erzählt er von seiner früheren und aktuellen Karriere, von seiner Familie mit Marlies Schild und den nach ihm benannten Projekten, wie der Race Center Benni Raich und der Benni Raich Brücke in Tirol. Keller Sports: Hallo Benjamin, die Ski Alpin-Saison 2018/19 hat bereits angefangen, ab jetzt jagt ein Highlight das Nächste: Auf welches Rennen freust du dich am meisten? Und wem drückst du die Daumen?

Benjamin Raich: Ja, natürlich! Es gibt viele Highlights und österreichische Rennen, auf die ich mich besonders freue. Und da bin ich auch als Experte dabei. Kitzbühel und Schladming sind sehr schöne Rennen. Wenn es um die Teilnehmer geht, bin ich relativ neutral.

Natürlich habe ich einige Kollegen, die ich gut kenne und daher bei ihren Läufen persönlich mehr mitfiebere. Aber ansonsten würdige ich die Leistung der Besten. Was zählt ist, wer das beste Rennen macht.

Keller Sports: In deiner aktiven Zeit warst du eigentlich in allen Disziplinen sehr erfolgreich. Wie kam es dazu, dass du so ein Allrounder geworden bist?

Benjamin Raich: Natürlich braucht man eine sehr gute Grundausbildung im Skifahren, damit man in allen Disziplinen starten kann. Darüber hinaus hat es mich sehr gereizt in allen anzutreten – die Abwechslung war das für mich Wesentliche und ich hatte auch das Glück in den verschiedenen technischen Bereichen gut zu sein.

Keller Sports: Slalom und Riesenslalom waren wohl deine erfolgreichsten Disziplinen. Könntest du dich hier für eine entscheiden?

Benjamin Raich: Nicht gerne wenn ich ehrlich bin, denn wie ich schon gesagt habe, hat mir die Abwechslung am meisten Freude bereitet. Meine beste Disziplin war der Riesenslalom. Das ist auch die Hauptdisziplin im Skisport - von ihr leitet sich alles ab.

Keller Sports: Gibt es hier einen Unterschied zwischen aktiver Sport-Karriere und Karriere im Sport-TV? Was schaust und analysierst du am liebsten?

Benjamin Raich: In der Abfahrt ist es oft schwierig zu erkennen, beziehungsweise nicht so klar ersichtlich woran es liegt, dass jemand Zeit verliert oder herausfährt. Der Slalom und Riesenslalom sind einfacher zu analysieren und damit auch zu kommentieren.

Ich persönlich schaue beides gerne an und ich finde es dabei ganz besonders faszinierend, wie sich die Fahrer über die Jahre entwickeln. Diese Leistungssprünge beobachte ich mit Freude. Benni Raich Tirol Skifahren Interview Schöffel Keller Sports: Aber werfen wir nochmal einen Blick auf deine Erfolge. Welcher Sieg war für dich der schönste oder emotionalste? Olympia 2006 (Slalom/Riesenslalom) oder der Weltcup-Gesamtsieg 2005/06?

Benjamin Raich: Aus einer emotionalen Perspektive würde ich sagen Olympia, vor allem der erste Sieg. Das liegt auch daran, dass man nur alle vier Jahre die Chance hat an den Start zu gehen und dann muss alles perfekt zusammenspielen: Material, Verhältnisse, Gesundheit. 2006 war so ein magischer Moment.

Sportlich gesehen ist der Weltcup-Gesamtieg besonders spannend, denn dieser bildet ja eine ganze Saison ab. Von daher kann man die Formate nicht gegenseitig aufwerten – beide sind einmalig, aus einer eigenen Perspektive.

Keller Sports: 2006 war nicht das schlechteste Jahr oder? ;)

Benjamin Raich: Ich bin dankbar sagen zu können, dass ich viele gute Jahre hatte. Aber ja, 2005 und 2006 waren schon die absoluten Top-Jahre!

Keller Sports: Wie schon erwähnt jagt ein Ski-Highlight des nächste. Schladming bei Nacht und das Hahnenkammrennen in Kitzbühel im Jänner sind der Wahnsinn. Du hast beide gewonnen. Welches taugt dir mehr oder kannst du dich hier überhaupt entscheiden?

Benjamin Raich: Nein und das will ich auch nicht. Das sind verschiedene Rennen mit ganz eigenen Charakteristika, von der Abfahrt bis zu den Zuschauern. Kitzbühel hat eine besondere Historie und Glanz. Jeder träumt davon, die Streif oder am Ganslern einmal zu gewinnen.

Die Hänge sind sehr speziell und wahren die alten Werte. Schladming bietet einen Hang, der den modernen Rennsport zeigt. Die Kulisse ist extrem und mit 50.000 Zuschauer erlebt man hier eine Wahnsinns-Stimmung. Beide Rennen sind einzigartig.

Keller Sports: Deine Frau Marlies Schild (Raich) war ebenfalls sehr erfolgreiche Slalom Fahrerin. Wer würde ein Wettfahren zwischen euch beiden gewinnen?

Benjamin Raich: Wir sind nie Rennen gegeneinander gefahren, nur auf Zeit für sich selbst und da muss ich ja eigentlich auch schneller sein, oder? Das ist aber bei uns auch kein Thema, wir fahren ja nicht gegeneinander sondern zum Spaß. Der Schwung der uns Freude bereitet muss nicht der schnellste sein und auch der Einkehrschwung darf Spaß machen. Benni Raich Tirol Skifahren Keller Sports: Wir können uns vorstellen, dass es bei zwei so Ski-Narrischen in der Familie viele Diskussionen bei den Rennen gibt. Wer hat denn meistens Recht oder gibt eine(r) schneller nach?

Benjamin Raich: (Lacht). Bei uns gibt es wenig Diskussionen. Wir schauen die Rennen gemeinsam an, manchmal gibt es dabei eine Prognose und wenn einer falsch lag, dann necken wir uns. Aber ich würde nicht sagen, dass meine Frau oder ich öfter Recht hat, das gleicht sich mehr oder weniger aus.

Keller Sports: Du und deine Frau, Marlies Schild, seid ja bereits glückliche Eltern zweier Söhne. Nun haben wir erfahren, dass eure Familie nochmals wächst. Wie geht es deiner Frau und wie geht es euch? Und wisst ihr schon was es wird?

Benjamin Raich: Wir freuen uns sehr und meiner Frau geht es mittlerweile auch wieder gut. Gerade die erste Zeit der Schwangerschaft ist ja manchmal etwas schwierig. Was es wird, wissen wir allerdings noch nicht, dafür ist es noch etwas früh.

Keller Sports: Fahren deine/eure Söhne, zumindest der ältere, auch schon Ski? Im Profi-Bereich hätten sie ja große Fußstapfen zu füllen.

Benjamin Raich: Der Große hat es immer probiert, wenn Schnee da war und ist am Ende auch ganz brav gefahren. Selbst wenn er einmal Skifahrer werden sollte, würde ich nicht davon sprechen, dass er Fußstapfen zu füllen hat, das wäre falsch.

Eine Anleitung ist gut, aber wichtig ist seinen eigenen Weg zu gehen und gar nicht erst zu versuchen irgendwelche Fußstapfen zu füllen. Jeder sollte seine eigenen hinterlassen dürfen und nicht auf denen der Eltern gehen müssen.

Keller Sports: Du bist auch nach deiner aktiven Profi-Karriere noch sehr aktiv. Das Race Center Benni Raich in Arzl (Tirol) bildet Nachwuchs-Skifahrer aus. Wie stolz bist du auf diese Ski Akademie?

Benjamin Raich: Sehr! Es ist eine große Freude zu sehen, wie und mit wieviel Elan sich die jungen Leute entwickeln. Wir haben in unserem Sport sehr viel Know-how aufgebaut. Dieses weiter zu geben ist der hauptsächliche Auftrag des Race Center Benni Raich.

Dabei haben wir verschiedene Angebote: Bei den Camps betreuen wir 40-50 Teilnehmer, aber auch hier immer mit ausreichend Trainern für eine qualitativ sehr hochwertige Betreuung. Aber wir bieten auch individuelle, persönliche Coachings das ganze Jahr über.

Unser Angebot umfasst das Champions Programm, spezielle Renncamps und spannende Kooperationen, die zum Beispiel wertvolle Trainingsgemeinschaften verschiedener Skiclubs im Pitztal ermöglichen. Benni Raich Interview Panorama Wintersport Skifahren Keller Sports: Inzwischen ist im Pitztal in Tirol sogar die imposante Benni Raich Hängebrücke nach dir benannt. Wie fühlt es sich an, eine solche Ehrung zu bekommen? Wie oft warst du selbst schon an der Benni Raich Brücke?

Benjamin Raich: Ich war sehr oft dort. Als sie gebaut wurde, war ich in der 9. Klasse in der Schule in Imst. Der Bau hat mich damals begeistert und ich habe mich immer gefragt, wie diese Konstruktion funktioniert.

Noch bevor sie nach mir benannt wurde, habe ich hier in der Bungee Jumping-Anlage gearbeitet, Sprünge vorbereitet und gesichert und ich bin auch heute noch immer mal wieder dort. Eine Brücke ist eine starke Metapher, denn Brücken verbinden. Und dieses „Brücken bauen“ liegt mehr in vielen Lebensbereichen nah. Namensgeber für eine Brücke sein zu dürfen, ist für mich fast das Schönste.

Keller Sports: Danke Benjamin für das Interview, es hat uns sehr gefreut, dass du uns deine Zeit gewidmet hast. Jetzt hoffen wir auf eine schöne Ski-Saison und spannende Wettkämpfe!

Benni Raich Skifahren Schöffel