Im Rahmen des Launch-Events des adidas Terrex Free Hiker in Berlin hatten wir die Möglichkeit uns mit den German Roamers zu einem Interview zu treffen. Die German Roamers sind eine Gruppe von Fotografen, die sich seit einigen Jahren gemeinsam der Outdoor-Fotografie verschrieben haben.

Durch ihre Hingabe und den daraus resultierenden einmaligen Fotos haben sie sich im Bereich der Outdoor-Fotografie einen großen Namen gemacht. Der geht auch schon über die Grenzen Deutschlands hinaus. So nehmen sie inzwischen auch schon verschiedene Projekte im Ausland an. Mit dem adidas Terrex Free Hiker waren sie beispielsweise gemeinsam in Madeira unterwegs (s. Video).

Auf dem Instagram Account der German Roamers folgen 339k Leute der Arbeit des Künstler-Kollektivs. Aber auch über die eigenen Accounts können die Fotografen auf eine gewaltige Community blicken. Unsere beiden Interview-Partner Johannes (@pangea) und Leo (@theolator) haben über 245k bzw. 243k Follower. Hier findet ihr das ganze Interview mit den beiden Fotografen der German Roamers:

1. Wollt ihr euch vielleicht kurz vorstellen? Wer seid ihr und wann habt ihr mit der Fotografie begonnen?


Leo:
Ich bin Leo, 25 Jahre alt, studiere derzeit noch in Trier, mache nächstes Semester meinen Bachelor und arbeite seit zwei Jahren freiberuflich als Fotograf. Das Ganze hat Ende 2014/2015 mit der Fotografie angefangen. Da war ich auf einer USA Reise in Kaliforniern und habe da angefangen mit meinem iPhone 5 die Landschaft um mich rum ein bisschen einzufangen. Das habe ich circa ein Jahr lang gemacht.

Das war eigentlich ziemlich cool, weil man mit sehr begrenzten Möglichkeiten trotzdem sein eigenes Bild komponieren konnte. Das waren die Anfänge bis ich mir die erste Kamera gekauft hab. Ab dann bin ich regelmäßig raus gegangen zum fotografieren. Die German Roamers gab es da schon und von ihnen habe ich mir mich inspirieren lassen. 2016 wurde ich dann zu ihnen eingeladen und seitdem bin ich bei den German Roamers dabei.

Johannes:
Ich bin Johannes, 33 Jahre alt und komme aus Köln. Ich bin auch seit zwei Jahren selbstständiger Fotograf. Davor habe ich in einer Festanstellung gearbeitet, aber seitdem bin ich komplett selbstständig unterwegs. Ich bin sozusagen der Gründer von dem Künstler-Kollektiv.
German Roamers Interview Roman Königshofer Kanada Natur FotoFoto: Roman Königshofer

2. Wie sind daraus dann die German Roamers als Kollektiv entstanden?


Johannes:
Das Ganze hat 2013 eigentlich nur wegen Instagram angefangen. Ich bin damals schon oft mit meiner Kamera raus gegangen und hab Fotos im Wald gemacht. Dann habe ich Hannes Becker geschrieben, der einen ähnlichen Fotografie-Stil wie ich hatte, und hab mit ihm ein Treffen bei Burg Eltz ausgemacht. Er kannte die Burg damals noch gar nicht, was schon lustig ist, wenn man sich überlegt was für ein bekannter Spot das heute ist…

Wir haben uns dann überlegt, wer auf Instagram noch coole Outdoor-Fotografie zeigt. Insgesamt wollten wir Deutschland auf die Karte für Outdoor-Fotografie bringen, um zu zeigen, dass man nicht immer nach Neuseeland muss, um coole Fotos schießen zu können. Das geht auch in Deutschland, manchmal gar nicht weit weg von der eigenen Haustür.

Wir haben dann verschiedene Leute angeschrieben und wuchsen so zu den German Roamers. Seit 2,5 Jahren sind wir jetzt eine fixe Gruppe aus 14 Fotografen. Insgesamt muss man sagen, dass wir damit ein gutes Timing erwischt haben, weil zu der Zeit der Outdoor-Hype bei Instagram startete.

3. Woher kommt ganz allgemein bei euch die Faszination für die Outdoor-Fotografie? Gerade, wenn du mit einem einfachen Smartphone angefangen hast, wie hat sich diese Faszination für dich entwickelt?


Leo:
Ja genau, die Faszination liegt für mich in der Variation in der Natur. Es gibt nun mal verschiedene Gegenstände, wie das Meer, die Berge, die Wüste… Wenn dann noch das Licht mitspielt, ergeben sich Szenarien, die nicht jeder sieht und die sehr einzigartig sind. Klischeehaft sagt man ja, dass jeder Sonnenaufgang oder Sonnenuntergang einzigartig ist.

Das stimmt aber auch und das macht es so besonders. Was es für mich auch noch besonders macht ist, was alles mitspielt: Man wandert zu dem Punkt hin, man schwitzt, man muss etwas aufopfern… dieser ganze Prozess begeistert mich.
German Roamers Interview Johannes Höhn Natur FotografFoto: Johannes Höhn

4. Fotografen sind ja eigentlich eher als Einzelkämpfer bekannt. Was macht es für euch aus, dass ihr als Gruppe auftretet und arbeitet?


Johannes:
Ich glaube, was uns vor allem zu Gute kommt ist, dass es von Anfang an nie mit dem Gedanken gegründet wurde, dass man damit Geld verdienen will. Es war erstmal ein Hobby - vielleicht etwas mehr als nur ein Hobby – eine Idee mit der man gestartet ist und komplett losgelöst gesagt hat: „Schauen wir mal was daraus wird“.

Dass es sich dann so rasant weiterentwickelt, so groß geworden ist und daraus hier und da auch Job-Möglichkeiten entstehen für uns als Fotografen, hat keiner erwartet oder vorausgesetzt. Das ist aber natürlich ein großer Vorteil. Der erste Gedanke war aber die Grundvoraussetzung dafür, dass es überhaupt funktionieren konnte.

Leo:
Ja, außerdem bringt es, dass wir mehrere Leute sind und als kreatives Kollektiv fungieren, mit sich, dass es uns alle innerhalb der 4,5 Jahren deutlich schneller weitergebracht hat, als wie, wenn jeder für sich arbeiten würde. Man lernt natürlich auch dadurch, dass man sich die Arbeit von anderen Fotografen anschaut. Ich glaube aber, dass es viel intensiver ist, wenn man sich mit anderen Leuten austauscht und andere Meinungen einholt.

Wenn man sieht, dass der andere gerade was Cooles macht, denkt man bewusst, dass man sowas auch machen will. Ich glaube aber auch unterbewusst beeinflusst es einen, wenn man sieht, dass die Kollegen Gas geben. Das pusht einen noch zusätzlich. Das sind alles so kleine Schrauben und Dinge, die dich immer wieder nach vorne bringen.
German Roamers Interview Leo Thomas Natur FotografFoto: Leo Thomas

5. Ihr nennt euch ja German Roamers und habt vorhin erwähnt, dass ihr Deutschland für die Outdoor-Fotografie auf die Karte setzen wollt. Nun seid ihr aber schon europa- und sogar weltweit unterwegs. Wann hat das angefangen, dass ihr auch außerhalb von Deutschland Touren unternehmt? Oder hängt der Namen eher an eurer Herkunft?


Johannes:
Genau, das ist so bisschen der Punkt. Ganz am Anfang war schon die Idee, dass wir zeigen wollten, dass man in Deutschland auch für die Outdoorfotografie raus gehen kann. Es kam aber relativ schnell so, dass die ersten von uns, gerade die, die als Fotografen Geld verdient haben, auch die ersten Jobs im Ausland angenommen haben. Durch das Wachstum der German Roamers entwickelte sich das relativ schnell weiter.

Am Anfang waren es noch zwei bis drei von uns, die hauptberuflich als Fotografen gearbeitet haben, inzwischen sind es schon sieben oder acht. Das hat sich also auch weiterentwickelt. Jeder hat natürlich seine eigenen Kunden, es gibt aber auch Kollektiv-Projekte, wie hier mit adidas Terrex, die wir zusammen angehen.

Außerdem hat man Deutschland innerhalb der viereinhalb Jahren schon größtenteils abgearbeitet, was die Hot Spots angeht. Natürlich kann man schon noch viel Neues entdecken. Das steckt auch in unserem Namen mit dem Begriff „to roam“.

Man braucht nicht immer den perfekten Plan haben oder das Motiv kennen und das muss es dann sein. Es geht darum sich in dem Moment inspirieren und treiben zu lassen. Dann kann man schauen, dass, wenn man sich nur umdreht, manchmal ein komplett neues Bild entsteht, was man davor vielleicht noch gar nicht im Kopf hatte.

Wir haben dann immer gesagt, dass wir zwar German Roamers heißen, sich das aber mehr darauf bezieht, dass wir alle innerhalb Deutschlands sind und um zu sagen, dass auch in Deutschland gute, kreative Energie gibt.
German Roamers Interview Johannes Höhn Natur Welt FotografFoto: Johannes Höhn

6. Was war dabei eure Lieblings-Reise oder -Tour? Ist es vielleicht auch eine Reise bei dem eure Lieblings-Fotos entstanden sind? Oder hat man sowas nicht?


Leo:
Meine Lieblingsreise war auf jeden Fall die Grönland-Reise. Wir waren über zwei Wochen auf einem Boot unterwegs. Allein das ist schon eine Erfahrung an sich, wenn man mit einer Crew aus 10 Leuten auf sehr engem Raum ist. Da muss man einfach miteinander auskommen. Das war schon spannend.

Und da angekommen gibt es einfach keine Trails oder Wege. Wir haben uns einen Berg ausgesucht, sind raufgewandert und haben dort übernachtet. Oben haben wir dann den Sonnenaufgang erlebt und du weißt bei so einem Anblick nicht wie viele Menschen vor dir jemals dort hochgegangen sind. Es ist ein ewig weites Nichts.

Das war schon ein sehr besonderes Gefühl, dass dir an vielen Orten durch Instagram bisschen genommen wurde. In der Outdoor-Fotografie gibt es seit einiger Zeit einen regelrechten Hype. Dadurch gibt es viele, die einfach zu den Spots fahren und das gleiche Foto machen, wie du. Das nimmt ein bisschen den Zauber von dem Ganzen. Das war dort in Grönland schon sehr besonders.

Johannes:
Ich glaub schon, dass jeder für sich auch so ein paar Lieblingsfotos hat, die man besonders in Erinnerung hat und wo einfach alles gepasst hat.

7. Was passiert mit oder in euch, wenn ihr merkt, dass ihr gerade das perfekte Setting für ein Foto gefunden habt?


Johannes:
Das ist pures Adrenalin. Für mich macht es die ganze Erfahrung erst zu etwas richtig Besonderem, wenn ich es mit der Kamera festhalten kann. Wir laufen dann wild umher und schreien rum. Es ist auch mit der ganzen Technik und Wetterbericht und allem eben nicht selbstverständlich, dass zum Beispiel das Licht in dem Moment perfekt passt.
German Roamers Outdoorfotografie Lennart Pagel WegelnburgFoto: Lennart Pagel

8. Du meintest, dass du schon relativ lange bei Instagram bist und dort schon einige Veränderungen erkannt hast. Wie meinst du hat Instagram das ganze Fotografieren verändert?


Johannes:
Ja, ich glaube, dass Instagram auf viele, fast alle Lebensbereiche unfassbar großen Einfluss hat. Da gehen viele gesellschaftliche Aspekte immer Hand in Hand, neue Berufsfelder entstehen, neue Stars… und bei der Fotografie ist es das genauso.

Das kommt daher, wenn Leute sehen, dass gewisse Bilder von gewissen Landschaften Erfolg bringen und einen wachsen lassen, Anerkennung bringen und vielleicht sogar Geld verdienen lassen. Auf der einen Seite kann man das sehr gut nachvollziehen, dass das der Antrieb für manche ist, auf der anderen Seite finde ich es schade, dass darunter die Kreativität leidet.

Das ist zwar schade, ist aber wohl nicht zu vermeiden. Das ist nun mal der Lauf der Dinge, dass wenn etwas so erfolgreich ist, wollen das andere auch machen oder Teil davon sein. Da spielen aber tausende Aspekte eine Rolle. Nicht nur die Fotografie, sondern der ganze Tourismus ändert sich dadurch völlig.

Das hört man ja immer häufiger auch in den Medien. So Orte wie Hallstadt in Österreich, die davor noch keiner kannte, werden auf einmal überrannt von Touristen. Reisebusse aus China, den USA… aus der ganzen Welt bringen Leute, die nur kommen, um auch ein Bild von der Umgebung zu haben. Das ist mit durch Instagram beeinflusst und irgendwie schon irre.

Leo:
Oder auch das Aescher, ein Restaurant in der Schweiz, das in den Berg gebaut wurde. Das musste jetzt zu machen, weil zu viele Menschen gekommen sind und schon morgens immer die Drohnen vor dem Fenster flogen. Das haben die Betreiber nicht mehr ausgehalten und es wurde geschlossen. Das sind Auswirkungen die man davor gar nicht abschätzen konnte.
German Roamers Interview Johannes Höhn Kanada Natur FotoFoto: Johannes Höhn

9. Kann man das so prozentual ins Verhältnis setzen, was am meisten Zeit in Anspruch nimmt bis ein Bild von euch fertig ist? Ihr wandert ja schließlich zu dem Spot hin, macht die Bilder, bearbeitet sie nach… Wie ist da ungefähr das Verhältnis?


Johannes:
Das ist schwer allgemein zu beantworten, weil das bei jedem individuell anders ist. Jeder sagt glaub ich, dass das von bis geht. Manchmal passt es vom Licht und den ganzen Grundvoraussetzungen so, dass du innerhalb von drei Minuten das Bild fertig bearbeitet hast. An viel Material sitzt man dafür aber auch sehr lange.

Leo:
Bei mir ist es sogar manchmal so, dass ich ein Motiv gar nicht fühle und nichts mehr damit anfangen kann, egal wie lange ich noch daran setze. Irgendwann, manchmal Wochen und Monate später, sitzt man zuhause und hat nichts Neues, dann geht man eben durch das Archiv, kommt plötzlich wieder auf das Bild und es macht klick. Dann funktioniert es plötzlich mit der Bearbeitung.
German Roamers Interview Johannes Höhn Saarland FotoFoto: Johannes Höhn

10. Um nochmal einen allgemeineren Blick auf eure Arbeit zu werfen. Würdet ihr sagen, dass ihr wandert um zu fotografieren oder fotografiert ihr während dem Wandern?


Johannes:
Also die Hauptmotivation zum Wandern ist bei mir schon das Fotografieren. Ich würde nie im Leben ohne Kamera nachts um 3 Uhr auf den Watzmann wandern, auf gar keinen Fall. [lacht] Für mich ist sicher Fotografieren die Hauptmotivation und das Wandern eher das Mittel zum Zweck.

Aber es ist schon ein enorm wichtiger Teil von der Arbeit, dass man erst hinwandern muss. Ich verteufle das gar nicht. Außer vielleicht wenn ich unterwegs und fast am Sterben bin, dann vielleicht schon ein bisschen... [lacht]

Ich wohne in Köln und bin nicht so oft am Berg, deswegen ist das schon eine Challenge für mich. Wenn du es dann aber geschafft hast und an dem Spot bist, ist es umso intensiver da zu sein und es geschafft zu haben.

Leo:
Es gibt schon auch Orte, wo man mit dem Auto hinfährt, aussteigt, seine Bilder macht und wieder wegfährt. Da kommen auch schöne Bilder raus. Aber das ist für mich nicht das volle Erlebnis, wie mit einer Wanderung, wenn man da Schweiß und Tränen [lacht] investiert hat.

Da erlebt man so viel beim Camping am Berg und coolen Gesprächen. Das wird mit den Bildern die man postet auch nochmal getriggert und vor die Augen geführt. Man erlebt einfach viel mehr und das macht das Ganze noch viel schöner.
German Roamers Interview Leo Thomas Eckernförde OutdoorfotografieFoto: Leo Thomas

11. Wenn ihr euch auf eine Wanderung oder Tour vorbereitet, was sind so die Top 5 Must Haves, die immer dabei sein müssen? Oder habt ihr allgemeine Tipps für Leute, die es euch gleichtun wollen?


Johannes:
Also für mich ist das auf jeden Fall eine Rolle Klopapier [lacht]. Es ist vielleicht nicht so sexy, aber wenn man mal unterwegs ist und es drückt und man hat nichts dabei, ist es halt das Schlimmste was passieren kann. Deswegen habe ich seit jeher in irgendeinem Fach immer irgendetwas dabei, dass man im schlimmsten Notfall was dabeihat.

Leo:
Als Zweites würde ich die Kopflampe sagen. man hat die Hände frei, kann mit der Kamera arbeiten… sie ist einfach praktisch und sollte immer dabei sein. Gerade für längere Touren würde ich auch immer Blasenpflaster oder Tape mitnehmen, damit man sich zumindest ein bisschen verarzten kann, wenn etwas ist.

Vielleicht würde ich, zumindest für uns Fotografen noch eine Powerbank nennen. Es ist halt teilweise schon unser Job, deswegen muss das Handy einfach funktionieren. Das ist schon wichtig.

Johannes:
Als Tipp vielleicht zum Thema Instagram finde ich, dass man sich da schon an die gegebenen Gesetze halten sollte. Gerade was das ganze Wildcampen angeht. Insbesondere in Naturschutzgebieten sollte man wirklich nichts zurücklassen.

Wenn man da manchmal sieht, dass ganz Lager mit Flaschen und Dosen zurückgelassen werden... Auch in der Rolle als Vorbild sollte man halt darauf achten, dass man kein Bild zeigt, wie das Zelt zwar schön aber halt verboten aufgestellt hat.

Super, dann vielen Dank nochmal für das lockere, offene Gespräch. Viel Spaß auf euren nächsten Touren und wir freuen uns schon auf die neusten Bilder. Danke an dieser Stelle auch an unseren Partner adidas Terrex für das starke Event in Berlin.
German Roamers Outdoorfotografie Lennart Pagel Färöer InselnFoto: Lennart Pagel
Titelbild: Leo Thomas