Laufen ist wohl die älteste Sportart der Welt. Egal aus welchem Grund und mit welcher Motivation, wir sind alle irgendwie Läufer. Der eine will abnehmen, der andere seine Ausdauer verbessern und wieder ein anderer trainiert für den nächsten Marathon.

Wir haben uns mit dem ehemaligen Langstreckenläufer Jan Fitschen unterhalten und ihn gefragt, was Laufen für ihn ist. Was rät er Anfängern und Fortgeschrittenen Läufern und wie sieht er das Laufen für sich?

Jan Fitschen aus Niedersachsen ist ein ehemaliger Langstrecken-Profi. Seine Parade-Disziplinen waren die 5.000m und 10.000m, er ist aber auch schon verschiedene Halb-/Marathons gelaufen.

Er wurde Europameister 2006 über 10.000m und 28-facher Deutscher Meister. Mit seiner persönlichen Marathon-Bestzeit von 2:13:10 war er 2012 auf Platz 14 der schnellste Europäer. Heute arbeitet Jan hauptsächlich als Laufcoach. Ein echter Profi, der das Laufen lebt und liebt. Hier ist das ganze Interview mit Jan Fitschen: Jan Fitschen Interview Nike Laufen Profi Europameister Tipps Running Motivation

Wie bist du zum Laufen gekommen?


Ich habe tatsächlich schon sehr früh mit dem Laufsport angefangen. Ich habe früher Fußball gespielt, Badminton und vieles anderes ausprobiert. Danach habe ich festgestellt, dass ich ganz schlecht verlieren kann. Deshalb war ich beim Fußball nicht gut aufgehoben.

Laufen ohne Ball kann ich dagegen ziemlich gut. Und wenn ich Mist baue, dann war ich das selbst. Beim Laufen bin ich für mich selbst verantwortlich und nicht einer meiner Teamkollegen. Je mehr ich trainiere, desto schneller werde ich. Daran habe ich gemerkt: Das ist mein Sport, das mach ich.

Was motiviert dich laufen zu gehen? Und gibt es Momente, in denen selbst du dich überwinden musst?


Zum Laufen motiviert mich der Gedanke, dass ich in der Zeit total abschalten kann und es mir nach dem Laufen einfach besser geht. Laufen ist für mich die absolute Freiheit und genau das, was ich brauche, um mich tatsächlich lebendig zu fühlen.

Auch ich muss mich ab und zu dazu überwinden, loszulegen, aber zu Hause angekommen fühle ich mich total glücklich.

Was sind deine Tipps für Laufeinsteiger, um erfolgreich auch kleine Strecken zu meistern?


Als Laufeinstieger ist es besonders wichtig, dass man nicht zu schnell loslegt. Wenn man sich umschaut, dann denkt man schnell: "Na klar, alle laufen schnell, alle laufen weit. Das muss ich auch können."

Und jeder rennt zu schnell los. Als Laufeinsteiger ist es wichtig, so langsam wie möglich loszulaufen. Dann wirst du dich wundern, denn dann läufst du schon 10 oder 15 Minuten am Stück. Du musst dich nur zwingen, ganz langsam loszulegen und dich auf dich zu konzentrieren. Jan Fitschen Interview Laufen Profi Europameister Tipps Motivation

Was rätst du fortgeschrittenen Läufern?


Wenn du eine Grundlage geschaffen hast, wenn du 10 km am Stück laufen kannst, ohne dass es dich wirklich anstrengt, dann kommt der nächste Schritt. Du musst anfangen, variabel zu trainieren.

Raus aus der Komfortzone. Manchmal musst du dich zwingen, extrem langsam zu laufen. Aber auch an anderen Tagen richtig Gas zu geben. Danach läufst du nicht nur, bis du nicht mehr kannst, sondern solange, bis du gar nicht mehr kannst.

Damit machst du richtig Fortschritte und schaffst nach diszipliniertem Training selbst einen Halbmarathon.

Worauf kommt's beim Laufen an?


Das Schöne ist, dass du beim Laufen eigentlich erstmal auf nichts achten musst. Du brauchst nur ein paar gute Schuhe und musst loslegen.

Der wichtigste Aspekt des Laufens ist, dass du es jederzeit überall allein machen kannst und völlig ohne Verpflichtungen starten kannst. Laufen ist die grundlegendste Bewegungsform, die wir kennen.

Das kann jeder; damit muss man einfach mal beginnen. Dann wirst du merken: Du machst Fortschritte und wirst immer besser. Und wenn du den ersten Schritt gemacht und dich überwunden hast, brauchst du natürlich eine gute Ausrüstung. Gute Kleidung, die atmungsaktiv, leicht und funktionell zugleich ist. Und eine gute Laufuhr, um deine Erfolge zu tracken.

Trackst du deine Läufe? Und wenn ja, warum?


Für mich ist es ganz wichtig, dass ich meine eigenen Läufe auch tracke. Denn dann sehe ich wann ich besser werde. Dann sehe ich schwarz auf weiß was da wirklich passiert. Wenn ich Fortschritte mache, dann habe ich die eben auch gemessen und nichts ist so motivierend wie der eigene Fortschritt, die eigenen Erfolge.

Laufen ist nicht immer einfach. Aber wenn du dich überwunden hast, wenn du gekämpft hast, wenn du was erreicht hast, dann denk immer daran: Belohn dich auch dafür. Keller sMiles ist eine absolut innovative App wo du wirklich belohnt wirst, wo du doppelt und dreifach Lust bekommst auf Laufen, wenn du damit durchstartest. Jan Fitschen Interview Profi-Läufer Europmeister Tipps laufen

Was ist das Besondere an einem Wettkampf wie einem Halbmarathon oder Marathon?


Wettbewerbe sind das Salz in der Suppe eines jeden Läufers. Natürlich nicht direkt am Anfang als Einsteiger. Da musst du erstmal eine Grundlage schaffen.

Aber wenn du so weit bist, brauchst du einfach Ziele, auf die du im Training noch motivierter und konsequenter hinarbeitest. Melde dich für einen Wettkampf über 5 km, 10km, bei einem Halbmarathon oder Marathon an.

Dort kannst du zeigen, wofür du trainiert hast. Und beim Wettkampf selbst bist du nicht der einzige Verrückte und merkst: die anderen sind genauso nervös und aufgeregt wie du. Dann gehts los.

An was denkst du sowohl im Training als auch beim Wettkampf?


Jeder Halbmarathon oder jeder andere Wettkampf ist immer eine Achterbahn der Gefühle. Am Anfang ist man extrem ehrgeizig und zielorientiert. Im nächsten Moment denkst du plötzlich: "Ich weiß nicht, ob ich richtig fit bin, ob ich meine volle Leistungsfähigkeit heute abrufen kann. Warum mach ich das überhaupt?"

Aber dann geht’s endlich los. Zwei Kilometer weiter denkst du dir: “Ich kann nicht mehr und habe noch nicht einmal die Hälfte geschafft”. Im Wettkampf geht es immer auf und ab. Da hilft nur eins: die berühmte Salamitaktik.

Denke nicht daran, dass es noch 5 km oder 10 km bis ans Ziel sind. Sondern denke immer an die nächsten 300 bis 400 Meter. Die schaffst du auf jeden Fall noch. Und wenn du die geschafft hast, schaffst du die nächsten 300 Meter und nächsten 300 Meter und dann bist du im Ziel. Dann bist du der König.

Welchen Wettkampf würdest du als deinen persönlich größten Erfolg bezeichnen?


Mein bester und großartigster Lauf war bei der Europameisterschaft. Da bin ich im Rennen über 10.000m Europameister geworden und das war unglaublich! Ich war total überrascht und alle anderen auch.

Ich habe mich im Ziel so arg gefreut und gedacht, ich könnt nochmal 10.000m rennen. Das war der absolute Wahnsinn. Und solche Momente lassen einen auch nie wieder los. Das ist egal ob man Europameister wird oder ob man das erste Mal einen 10km Lauf, einen Halbmarathon oder Marathon gefinisht hat. Dieses Gefühl, dass du dir wirklich etwas erarbeitest hast und es geschafft hast.

Der Weg dorthin ist nicht leicht. Aber wenn du es dir erkämpft hast und es funktioniert noch besser, als du es dir erhofft hast, dann sind das Momente, die keiner jemals vergisst. Jan Fitschen Interview Laufen Profi Europameister Running Tipps Motivation

Wie gehst du mit Niederlagen um?


Also ich hab in meiner aktiven Zeit als Profisportler deutlich mehr Niederlagen als Siege eingefahren. Die Niederlagen vergisst man zum Glück wieder und die Siege, die bleiben. Und das war bei mir das krasseste Beispiel: 2002, als wir die EM hier in München hatten, war ich qualifiziert für den 5.000 m Lauf und war in super guter Form.

Ich wusste damals klar, ich hätte nicht gewinnen können, aber ich hätte zu den 10 besten in Europa gehören können. Leider habe ich 2 Tage vorher was Falsches gegessen, mein Magen hat das nicht vertragen und ich war heulend auf der Tribüne gesessen als das 5.000 m Finale stattfand.

Ich hab damals überlegt, ob ich aufhöre mit dem Leistungssport, hab dann aber gesagt: “Ne, mach einfach weiter”. Das war die beste Entscheidung überhaupt. Denn dadurch, dass ich da nicht angetreten bin, hatte mich 4 Jahre später keiner auf der Rechnung und ich bin Europameister geworden.

Und das ist was, was man im Laufsport einfach auch lernt. Du bekommst immer wieder einen auf den Deckel, es geht aber weiter und wenn du das schaffst, aus jeder Niederlage das Positive raus zu ziehen.

Du sagst dir “Pass mal auf, heute schneit es und das Wetter ist mies, dann lauf ich langsamer und hab aber bei dem Wetter ein prima Training für die Fußmuskulatur gemacht”, dann bist du einen Schritt weiter.

Dann kannst du genau diese Erfahrung aus dem Laufsport auf dein Leben übertragen. Im Leben geht’s hoch und runter und im Laufsport lernst du besonders gut damit umzugehen.

Laufen ist für dich wie... ?


Laufen ist für mich wie eine Meditation. Am Anfang denkst du darüber nach, was dich beschäftigt, welche Tagesaufgaben du hast. Und irgendwann ist der Kopf einfach aus und du läufst nur noch. Dann komm ich nach Hause und denke: "Das war richtig gut!"

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