Was bringt Freeride-Skifahrer dazu, unberührte Steilhänge abseits der Piste zu suchen? Wie gehen sie bei der Risikoabschätzung in schwierigem Gelände vor? Zu diesen und weiteren Fragen gibt uns der Freestyle-Skifahrer und The North Face Athlet Markus Eder spannende Antworten.

Markus Eder wurde 1990 in Südtirol geboren und wuchs in dem kleinen Ort Luttach auf. Das Dorf liegt zwischen dem Brenner-Pass und dem Großvenediger direkt in den Bergen. Allein schon deswegen entwickelte Markus schnell eine Liebe für die Berge und das Skifahren. Nachdem er in der Jugend vor allem Skirennen gefahren ist, entdeckte er das Freeriden und Freestyle Skiing für sich.

2010 begann er seine professionelle Karriere gleich mit einem Sieg bei dem Nine Knights & Queens Event, das jetzt Audi Nines heißt. Ab da sammelte er weitere Erfolge, trat bei Olympia 2014 in Sotchi an und nahm an verschiedenen Film Projekten rund um die Welt teil. In unserem Interview erzählt der sympathische Südtiroler über seine Passion: Markus Eder Freeride Ushba Expedition KELLER SPORTS: Markus, du bist in Südtirol aufgewachsen und hattest die Berge von klein auf vor deiner Haustüre. Wann standst du das erste Mal auf Skiern?

MARKUS EDER:  Laut Erzählungen meiner Mutter, ich selbst kann mich nicht mehr daran erinnern, habe ich nicht aufgehört damit zu nerven endlich mal Skifahren zu wollen. Ich war damals drei Jahre alt und wollte unbedingt auch mal auf diesen Brettern stehen, so wie meine fünf Jahre ältere Schwester. Meine Mutter hat mich dann mit den alten Plastik-Skiern meiner Schwester in die Langlaufloipe gestellt und mich den Hügel runterfahren lassen.

KELLER SPORTS: Du warst anfangs erfolgreicher Ski-Alpin-Fahrer. Wie hast du den Weg zum Freestyle und letztendlich zum Freeride Skiing gefunden?

MARKUS EDER: Für 10 Jahre meiner Kindheit, bis hin zum 14. Lebensjahr war ich auf Rennskiern unterwegs. Doch je älter ich wurde, desto mehr kam die Lust zum Springen und abseits der Piste zu fahren. Einige wenige Tage im Jahr sind wir vom Skiclub aus mit alten abgeschnittenen Skiern durch die Wälder gefahren.

Das war definitiv das Highlight für mich. Außerdem hatte ich keine Lust mehr mir meinen Spaß beim Springen verbieten zu lassen, abgesehen vom Drill der im Rennsport gang und gebe ist. Mit dem Freestyle Skifahren habe ich meine Welt gefunden. Der Übergang zum Freeriden war dann fließend bis hin zur Olympiade in Sochi 2014. Das war auch mein letzter Freestyle Contest. Jetzt bewege ich mich zum Großteil im freien Gelände. Markus Eder Freeride Interview Downhill KELLER SPORTS: Was faszinierte dich damals wie heute so an diesem Sport?

MARKUS EDER: Keine Regeln, keine Struktur, Anarchie, nur das worauf meine Freunde und ich Lust hatten. Als ich damit anfing, stand der Sport noch in den Kinderschuhen. Es gab nur eine kleine Freestyle Szene in Südtirol. In meinem Heimat-Skigebiet, Klausberg, waren wir zu zweit mit Freestyle Skiern unterwegs, der Rest unserer Crew waren Snowboarder. Wir kamen uns vor wie Pioniere.

Zusammen mit dem Skigebiet haben wir unseren Snowpark Jahr für Jahr vergrößert und verbessert. Es ist cool zu sehen wie weit es der Sport in den letzten Jahren, mit Rebellen wie uns, geschafft hat. Das Freeriden vermittelt mir immer noch dieselben Gefühle und Emotionen und gibt mir Platz für Kreativität.

KELLER SPORTS: In den vergangenen Jahren warst du bei einigen Filmprojekten dabei. Welches war für dich das spannendste? Und wo war das?

MARKUS EDER: Unsere Expedition nach Georgien mit The North Face steht auf meiner Erinnerungs-Liste ganz oben. Das war meine erste Expedition und das erste Mal Skifahren im Nahen Osten. Abgesehen von der atemberaubenden Geschichte und Kultur Georgiens waren die Bedingungen, die wir bei unserem ersten Trip vorgefunden haben, der Wahnsinn.

Sie waren nicht nur vergleichbar mit Alaska, sondern vielleicht sogar noch etwas besser. Unmengen an Schnee mit perfekter Konsistenz damit sich große Spines und Pillows formen können. Bei unserem zweiten Ausflug dorthin stand unser eigentliches Ziel auf dem Programm: die Erstbefahrung vom 4.700m hohem Mt. Ushba. Dies ist uns zwar nicht gelungen aber nichtsdestotrotz war es unbeschreiblich von Anfang bis zum Schluss.

KELLER SPORTS: Welche Fähigkeiten helfen dir, auf diesem Level Ski zu fahren?

MARKUS EDER: Ich glaube, dass der Spaß an der Sache und die Liebe zum Sport meine wichtigsten Fähigkeiten sind. Mich reizen so ziemlich alle Fassetten daran. Sei es im Snowpark oder abseits der Piste, technische oder verspielte Abfahrten, tiefer Neuschnee oder verspurtes Gelände, Wettkämpfe oder Film-Shootings. So kann ich immer neue Motivation und Ideen finden und stehe so oft ich kann auf meinen Skiern. Learning by doing/loving... KELLER SPORTS: Wie sieht dein Training im Sommer aus? Hast du Tipps, wie man sich am besten auf die Skisaison vorbereiten kann?

MARKUS EDER: Ich bin bestimmt nicht ein Vorzeige-Sportler was die Vorbereitungsphase anbelangt. Im Fitnessstudio findet man mich nur im Herbst zum Muskelaufbau. Abgesehen davon gehe ich meinen Hobbys nach wie zum Beispiel klettern, biken, skateboarden, wandern, surfen, slacklinen. Davon so viel wie möglich.

Hier kommt wieder meine Philosophie ins Spiel: Wenn man etwas gerne macht, macht man es umso mehr und es fühlt sich nicht wie Training an. Ich versuche jedoch immer eine Verknüpfung zum Skifahren zu finden um meine Körperspannung, Gleichgewicht, Ausdauer und Koordination zu trainieren.

KELLER SPORTS: Beim Freeriden ist nicht nur die körperliche Fitness und Ausdauer gefragt. Welche Rolle spielt die Ausrüstung?

MARKUS EDER: Das Material entwickelt sich ständig mit dem Sport mit. Vor allem im Skitouren-Bereich hat sich viel getan in den letzten Jahren. Ski, Bindungen und Skischuhe sind um einiges verlässlicher und leichter geworden. Das hat den Horizont ein ganzes Stück erweitert. Die Marken legen viel Wert darauf mit ihren Athleten zusammenzuarbeiten um das bestmögliche Produkt zu kreieren. Gerade eben bin ich auf der Heimreise von einem Ski-Test in Argentinien. Markus Eder Interview Freeride KELLER SPORTS: Was waren sowohl im Wettkampf als auch im Hinblick auf deine gesamte Ski-Karriere deine bisher größten Erfolge?

MARKUS EDER: Ich habe zwar einige wichtige Siege im Portfolio, aber die zwei Erfolge, mit denen ich die meisten Emotionen verbinde sind für mich lustigerweise zwei 2. Plätze. Einer beim Red Bull Linecatcher 2011 und einer im Overall Ranking der Freeride World Tour vergangene Saison.

Der zweite Platz beim Red Bull Linecatcher war unglaublich unerwartet. Es war mein erster Contest im freien Gelände und ich habe meine Freeride Ski erst kurze Zeit davor bekommen. Schlussendlich bin ich dann auf dem Stockerl gelandet hinter Sean Pettit und vor einigen meiner Idole. Dieser Contest hat mir meine Richtung vorgegeben und mich dorthin gebracht wo ich jetzt bin.

Letzte Saison bei der Freeride World Tour hingegen, wusste ich nicht wo ich stehen würde und ob ich dem Druck standhalten kann. Es war ja nach einem Jahr Pause von Contests. Bis dorthin habe ich nur bei einzelnen Freeride World Tour Stopps mitgemacht, zwischen Filmshootings oder Slopestyle Contests. Dieses Mal wollte ich mich ganz der Freeride World Tour widmen.

Vor allem das große Finale am Bec des Rosses in Verbier hat mir schon immer Kopfzerbrechen bereitet und ich habe ihn bisher schon zweimal abgesagt, da ich mich nicht bereit fühlte. Doch letzte Saison hat alles gepasst. Ich war technisch besser drauf und fühle mich wohler. Am Ende meiner Line konnte ich auch den Nosebutter hinstellen. Overall hat mich dieser Run auf den 2. Platz gebracht.

KELLER SPORTS: Gab es neben all den erfolgreichen Momenten auch einmal gefährliche Situationen, die dich an deinem Sport haben zweifeln lassen? Wie gehst du bei deiner Risikoabschätzung vor

MARKUS EDER: Generell gab es zwar die eine oder andere verzwickte Situation, ich habe aber bisher noch nie an meiner Leidenschaft gezweifelt. Es ist natürlich immer ein bestimmtes Risiko da. Mit guter Vorbereitung kann das jedoch auf einen Bruchteil reduziert werden.

Ich hatte das Glück von Anfang an meiner Freeride Karriere mit erfahrenen Freeridern unterwegs zu sein. Vor allem konnte ich von den Filmshootings mit MSP (Matchstick Production, Anm.) in Kanada und Alaska vieles lernen. Ich absolviere Jahr für Jahr Lawinentrainings und probiere immer aufmerksam zu bleiben, Stürme, Temperaturen, Wind und so weiter zu analysieren.

Mein fahrerisches Level habe ich über die Jahre immer besser kennen gelernt und versuche Lines zu wählen und zu suchen die im schlimmsten falle nicht in großen Felsen enden. Unter uns Freeridern beratet man sich auch immer gegenseitig um eventuelle Fehleinschätzungen zu vermeiden. Markus Eder Freeride Skitour Interview KELLER SPORTS: Was gefällt dir besser: Im Snowpark über die Kicker fliegen oder im Tiefschnee deine Line zu fahren? Warum?

MARKUS EDER: Mittlerweile bin ich schon lieber im Tiefschnee unterwegs. Das Gefühl nach einem Air im Tiefschnee einzusinken ist einfach das Beste. Außerdem liebe ich zu sehen wie die Natur mit dem Schnee Jahr für Jahr perfekte Features für uns Freerider formt.

Je mehr man im freien Gelände unterwegs ist, desto besser kann man die Natur lesen und umso mehrere Optionen tun sich einem auf. Ganz ohne Snowpark würde es jedoch auch nicht gehen. Mir gefällt die Abwechslung.

Für mich ist entspannend, wenn man mal die ganze Lawinen- und Skitouren-Ausrüstung zu Hause lassen kann und sogar nur mit Pullover durch den Snowpark cruisen, Rails und Kicker shredden kann.

KELLER SPORTS: Sehen wir dich in den nächsten Jahren auch weiterhin bei Wettkämpfen und in dem ein oder anderen Movie?

MARKUS EDER: Ja bestimmt, ich möchte mit dem ganzen noch unbedingt einige Zeit weiter machen, habe jedoch noch keine Ahnung wie oder in welcher Reihenfolge. Mal schauen was die Zukunft bringt. Ich bin offen für neues.

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