Klaus Gösweiner ist ein Sportler durch und durch. Früher war er für den österreichischen Nationalkader als Skibergsteiger unterwegs bevor er das Trailrunning und die Ultra Trail Läufe für sich entdeckt hat. Mit seinen zwei Siegen beim Großglockner Ultra-Trail und vielen weiteren Erfolgen hat sich Klaus Gösweiner einen großen Namen im Trailrunning-Sport erarbeitet.

Am herausragendesten waren aber sicherlich seine zwei eigens organisierten Projekte Crossing Styria und Crossing Austria. Bei Crossing Styira ist er einmal quer durch seine Heimat, die Steiermark, gelaufen. Insgesamt bedeutete dies etwa 230 Kilometer und 20.000 Höhenmeter Trailrunning vom Startpunkt in Graz bis zum Gipfel des Dachstein. Sein ambitinoiertes Ziel von maximal 40 Stunden unterbot er mit letztlich 35 Stunden deutlich.

Crossing Austria setzte dem ganzen noch die Krone auf. Mit seinem früheren Kontrahenten und späteren Freund Markus Amon durchquerte er Österreich vom tiefsten Punkt bis zum höchsten. Nicht als Wettkampf, sondern zusammen und fair, das war die Devise. In nur sieben Tagen liefen die beiden Ultra-Trail-Profis von Apetlon im Burgenland bis hinauf zum Großglockner. Knapp 500 Kilometer und etwa 20.000 Höhenmeter später war das Projekt erfolgreich abgeschlossen. Hut ab.

Dank unseres Partners Dynafit haben wir Klaus Gösweiner für ein Interview gewinnen können. Wir haben den österreichischen Trailrunning-Profi zu seinem Einstieg in den Ultra-Trail, seiner Vorbereitung auf ein Peojekt wie Crossing Austria und den Großglockner Ultra-Trail (GGUT) befragt. Klaus Gösweiner Interview Crossing Austria 2018 mit Markus Amon Ultratrail Apleton Burgenland bis auf den Grossglockner Keller Sports: Klaus, du warst von jeher ein sportlich aktiver Mensch. Egal ob beim Mountainbiken, Langlaufen oder Skibergsteigen. Wie bist du zum Trailrunning und in der Folge zum Ultra Trailrunning gekommen?

Klaus Gösweiner: Trailrunning begleitet mich im Grunde schon mein ganzes Sportlerleben lang. Ich begann mit 6 Jahren mit dem Langlauf, beim Sommertraining meines Vereins sind wir immer schon im Gelände gelaufen, nur existierte bei uns der Begriff Trailrunning noch nicht. Später als Skibergsteiger standen natürlich auch beim Sommertraining lange Einheiten im Gelände, in den Bergen an der Tagesordnung.

Zum Ultra Trailrunning bin ich dann 2014 gekommen, aufgrund eines Erlebnisses in Kindestagen am Streckenrand bei einem 24h Straßenlauf steckte der Gedanke an den Ultrasport schon immer tief in mir drin. Eigentlich hatte ich mich vom Leistungssport schon verabschiedet, nach Hausbau und Familiengründung bin ich aber 2014 zurückgekommen und habe mit Ultra Trailrunning meine schönste Sport Ära begonnen und schöne Erfolge und Projekte umsetzen können.

Keller Sports: Was macht (Ultra) Trailrunning für dich aus?

Klaus Gösweiner: Es fasziniert mich, dass man Körper und Geist so vorbereiten kann, um beispielsweise den GGUT 110km/6500Hm+ in oder gar unter 15 Stunden laufen zu können.

Bei meinem 2016er Projekt „Crossing Styria“ bin ich 230km u. 10.000Hm+ in 35 Stunden gelaufen, die längste Pause dauerte keine 15 Minuten und nach 32 Stunden Laufzeit habe ich dann noch den Gipfel des Hohen Dachstein 2.995m erklommen, wenn man so nachdenkt klingt das fast utopisch ohne Pause so lange laufen zu können, es ist aber möglich!

2018 stellten wir (gemeinsam mit Markus Amon) uns einer wieder ganz anderen Herausforderung: „Crossing Austria“, wir liefen in 7 Tagen vom tiefsten Punkt Österreichs im Burgenland zum höchsten Punkt, dem 3.798m hohen Großglockner. 500km 20.000Hm in 7 Tagen, jeden Tag über 70km mit knapp 3.000Hm+.

Es ist einfach genial, wenn man so durch die Berge laufen kann, ich liebe es! Grossglockner Ultra Trail in Österreich Strecke Kals Kaprun Weissee Tauern im Juli 2019 Keller Sports: Der Großglockner Ultra-Trail (GGUT) gilt mit 110km und 6500hm als einer der härtesten Wettkämpfe Europas. Du konntest ihn bereits zweimal gewinnen. Was verbindest du mit dem GGUT?

Klaus Gösweiner: Mit dem Sieg beim GGUT 2016 habe ich für mich ein großes Ziel erreicht, denn als ich 2014 mit dem Ultra Traillauf begann, setzte ich mir zum Ziel einmal einen großen Ultratrail zu gewinnen. Dazu kam, dass ich 2016 gemeinsam mit Markus Amon triumphiert habe, wir haben uns vorher nicht gekannt und durch unseren ex aequo Sieg ist eine tiefe Freundschaft und auch Crossing Austria entstanden, dafür bin ich sehr dankbar!

Sehr stolz bin ich auf den 2.Sieg 2017, da ich zwar in Topform war, aber während des Laufs über einige Stunden mit bis dahin mir unbekannten starken Verdauungsproblemen zu kämpfen hatte und die 15 Stunden Marke nur knapp nicht unterboten wurde.

Seitdem bin ich mind. einmal im Jahr in Kaprun und oder Kals am Großglockner, auch am Gipfel, der zieht mich mittlerweile wie ein Magnet an!

Keller Sports: Wie bereitest du dich auf derartige Ultra Trailrunning-Wettkämpfe vor? Wie sieht eine typische Trainingswoche für dich aus?

Klaus Gösweiner: Ich trainiere ca. 700 Stunden im Jahr, 2/3 davon Laufen, der Rest Skibergsteigen im Winter und Radfahren im Sommer. Eine explizite Wettkampfvorbereitung beginnt dann ca. 3 Monate davor, ich steigere meist über 4 Wochen, die 5. Woche ist eine Regenerations-Woche und dann geht’s wieder von vorne los.

Die umfangreichsten Wochen liegen bei max. 25 Stunden/Woche, da ist dann eine lange Einheit am Rennrad dabei und ca. 140 Laufkilometer. Höhenmeterlastiges Training mache ich erst nach mind. 4 umfangreichen Laufwochen mit sehr wenig Höhenmeter.

Eine typische Umfangwoche sieht z.B. so aus:
► Montag 21 km mit 350Hm
► Dienstag 25km flach
► Mittwoch in der Früh 17km flach am späten Nachmittag 100km Rennrad
► Donnerstag 17km flach
► Freitag 20km mit 1400Hm
► Samstag mind. 120km oder mehr Rennrad
► Sonntag Pause und Familientag Ultratrail Lauf Vorbereitung von Dynafit Athlet Klaus Gösweiner zum Grossglockner Ultratrail Keller Sports: Was sind deine besten drei Tipps für Läufer, die mit dem Trailrunning anfangen wollen, bzw. vor ihrem ersten Wettkampf stehen?

Klaus Gösweiner: Aus emotionaler Sicht: Mach es aus tiefer innerer Überzeugung. Mach es, weil du es willst und nicht weil es viele andere machen. Definiere dein Ziel, bereite dich konsequent darauf vor und du wirst es erreichen!

Aus sportphysiologischer Sicht: Mache einen Leistungstest, damit du deine Trainingsbereiche kennst und trainiere zu mind. 90% im Bereich unter 1,2 mmol/Laktat. So wird es funktionieren.

Keller Sports: Oft heißt es, dass ein Rennen im Kopf entschieden wird. Wie trainierst du deine mentale Stärke, um in schwierigen Situationen durchzuhalten?

Klaus Gösweiner: Ich starte nur bei Läufen bzw. mache nur auch nur Projekte, die ich zu 100% will. Ist diese Voraussetzung gegeben, bin ich im Kopf so stark, dass auch scheinbar große Probleme das Erreichen des Ziels nicht gefährden.

Meinen Vortrag „Erfolge passieren nicht, Erfolge sind das Ergebnis“ habe ich bereits vor den verschiedensten Zielgruppen gehalten. Die Grundaussage passt für jeden, dem Manager eines Top Unternehmens genauso wie für die Hobbyläuferin: Tue es, weil du es willst, bereite dich konsequent darauf vor und du wirst dein Ziel erreichen!

Keller Sports: Läufer schwören auf bestimmte Rituale vor dem Rennen. Hast du auch ein bestimmtes?

Klaus Gösweiner: Ja, eine exakte Vorbereitung meiner Ausrüstung und Verpflegung, mein Standard Frühstück/ Mittagessen/ Abendessen vor dem Wettkampftag und dann Ruhe bewahren und mein Leistungspotential abrufen. Grossglockner Ultra Trail in Österreich Strecke Kals Kaprun Weissee Tauern im Juli 2019 Dynafit Keller Sports: Wie sieht die Verpflegung bei einem Ultra Trail aus? Wie, wann und was isst man davor, währenddessen und danach?

Klaus Gösweiner: 4 Tage vor dem Start esse ich kein Gemüse, wenig Obst, viel leicht verdauliches Eiweiß in Kombination mit Kohlehydraten. Während eines Wettkampfs verpflege ich mich sofern möglich am liebsten über meine eigenen Betreuer in den Labestationen flüssig (Headstart als Kohlehydratgeränk, Fresubin Trinknahrung als zusätzliche Energiequelle und ab und zu alkoholfreies Bier). Das ist natürlich nicht immer möglich, daher greife ich natürlich auf das Angebot der Labestationen zurück. Dabei greife ich lieber zur Banane und dunklen Schokolade als zu Gels.

Nach dem Wettkampf dauert es bei mir doch einige Stunden bis den richtigen Appetit kommt, dann gibt es alles was das Herz begehrt: Bier, Pizza, Schnitzel oder sonst was!

Keller Sports: Was war die größte Herausforderung, der du dich in deiner sportlichen Karriere stellen musstest?

Klaus Gösweiner: In der Vorbereitung zu Crossing Styria dachte ich mir, es wird für mich keine größere Herausforderung geben, als diese 230km 10.000Hm+ unter 40 Stunden ohne Pause zu laufen. Geworden sind es 35 Stunden, es war sehr hart, aber ich habe es mir schlimmer vorgestellt. Im selben Jahr bin ich 4 Monate nach Crossing Styria in Portugal bei der Trail WM über 85km 4.500Hm+ gestartet.

Nachträglich betrachtet war das ein großer Fehler. Ich war von Crossing Styria einfach noch nicht vollständig erholt und konnte meine Leistung nicht abrufen. Es war das härteste Rennen meines Lebens, bei km 73 wollte ich aufgeben. Ich habe es aber dann trotzdem noch geschafft wenigstens das Ziel zu erreichen. Seitdem gibt es nur mehr einen Höhepunkt pro Jahr, mehr ist neben meinem 40 Stunden Job nicht drin. Klaus Gösweiner Interview Crossing Austria 2018 mit Markus Amon Ultratrail Apleton Burgenland bis auf den Grossglockner Dynafit Keller Sports: Du konntest schon einige Siege und Erfolge sammeln. Was war der für dich größte sportliche Erfolg?

Klaus Gösweiner: Jeder Erfolg für sich ist für mich sehr einzigartig. Im Wettkampf der GGUT Sieg 2015, weil es mein erster war und ich dabei Markus Amon kennen gelernt habe.

Bei den Projekten Crossing Styria wie auch Crossing Austria. Bei Crossing Styria habe ich meine eigene Idee, meine Vision bravourös in die Tat umgesetzt. Bei Crossing Austria haben Markus und ich trotz zwischenzeitlich großen Problemen schlussendlich gemeinsam den Gipfel des Großglockners erreicht.

Keller Sports: Was folgt auf Crossing Styria und Crossing Austria? Was sind deine nächsten geplanten Projekte oder Wettkämpfe in diesem Jahr?

Klaus Gösweiner: Eigentlich wollte ich 2019 den UTMB laufen. Ich hatte zwar die für den Elitestatus notwendigen ITRA Punkte aber keine UTMB Punkte. Deswegen bekam ich leider keinen Startplatz. Ich werde also mein Ziel den UTMB sub 24h zu laufen heuer nicht angehen und habe für 2019 auch kein anderes großes Ziel. Durch die doch sehr sehr langen Herausforderungen der letzten Zeit werde ich 2019 nutzen, um wieder schneller zu werden. Ich werde einen oder zwei Straßenmarathons laufen und überall am Start stehen, wo es mich hinzieht.

2020 wird mein letztes Jahr mit dem hohen Anspruch, auf dem Treppchen möglichst weit oben zu stehen. Es schlummert auch ein spezielles Ziel in mir, das ich allerdings erst mit meiner Frau und meinem engsten Umfeld besprechen muss, mal sehen.