Die Sportart Trailrunning ist in den letzten Jahren immer bekannter geworden. Das Laufen in der Natur, bergauf und bergab zieht viele Leute an. So enstanden auch schnell die ersten offiziellen Wettkämpfe und einige extreme Abarten des Trailrunning, wie zum Beispiel Ultra Trailrunning, Skyrunning oder sogar Snowshoe Running.

Eine die diese Sportarten wie kaum eine andere beherrscht ist die geborene Spanierin Ragna Debats. Das hat sie als Champion bei den verschiedensten Rennen bereits unter Beweis stellen können. 2017 wurde sie beim Ultra SkyRace in Val d'Isere erste und durfte sich European Champion nennen. In 2018 setzte sie noch einen drauf und wurde in Penyagolosa sogar World Champion im Skyrunning. Diesen Titel konnte sie bereits 2017 in der Snowshoe Running Disziplin gewinnen.

Auch 2019 startete gut für die für die Niederlande startende Ragna Debats. Mit dem Sieg beim Marathon des Sables, der über 251km in sechs Tagen geht, hat sie gezeigt, dass sie bereit ist ihren Weltmeister-Titel 2019 zu verteidigen.

Dank unserer Partner-Marke Merrell, die als absoluter Trailrunning-Spezialist Athleten wie Ragna Debats unterstützt, konnten wir die 40-jährige für ein Interview gewinnen. Wir haben sie zu ihrer Karriere, ihrem Training und ihren Zielen für 2019 befragt. Hier findet ihr das Interview mit der beeindruckenden Trail-Läuferin:
Keller Sports: Du bist als Schneeschuhläuferin, Trailrunnerin und Skyrunnerin bekannt. Was ist die Faszination an diesen speziellen Läufen für dich?

Ragna Debats: Ich fing an zu rennen, um die Berge zu erkunden. Ich denke, Laufen ist eine gute Möglichkeit, verschiedene Berge und Orte auf der ganzen Welt zu erkunden. Für mich ist es toll, dass die Routen markiert sind. Ich liebe es einfach, so schnell wie möglich zu laufen und so viel wie möglich zu sehen. Ich denke, das fasziniert mich am meisten.

Keller Sports: Im dritten Versuch bei der Trail-Weltmeisterschaft 2018 hat es nach einem dritten (2016) und einem vierten Platz (2017) tatsächlich mit dem Sieg geklappt. Was war anders an dem Rennen?

Ragna Debats: Ja, im ersten Jahr bin ich auf der Langstrecke Dritte geworden und habe ohne eine spezielle Vorbereitung teilgenommen. Daher war es für mich eine echte Überraschung, Dritte zu werden, und ich wusste, dass ich mit einer echten Vorbereitung und mehr Erfahrung auf dieser Strecke besser abschneiden konnte, weil ich noch nie zuvor eine so lange Strecke gelaufen bin. Mit dem vierten Platz in 2017 war ich sehr zufrieden, weil es eine kürzere Strecke war und das für mich etwas schwieriger ist. Aber es war für mich sehr befriedigend, in einem so starken Wettbewerb auf dem vierten Platz zu landen.

2017 habe ich auch einen Fehler gemacht, der mich viel Zeit kostete. Mit diesem Fehler und dem hohen Niveau der Athleten war es das Beste, was ich erreichen konnte. Letztes Jahr habe ich gewonnen, weil ich mich sehr gut auf das Rennen vorbereitet habe. Ich kannte die Strecke und die Vorbereitung war in jeder Hinsicht gut. Also wusste ich, dass ich eine der Athletinnen war, die es gewinnen könnten und das hat dann funktioniert. Ragna Debats Interview Trail Runner Race Marathon des Sables Champion 2019 Run Merrell Keller Sports: Du hast bereits große Siege in verschiedenen Disziplinen gefeiert. Was war für dich der schönste oder wichtigste Sieg und warum?

Ragna Debats: Ich denke, die Weltmeisterschaften letztes Jahr, weil ich so hart daran gearbeitet habe, sie vorzubereiten, und unbedingt wollte, dass es mit dem Sieg klappt. Und das hat es dann auch ... Es war einfach mein Traum [lacht]. Es ist das Höchste, was man in diesem Sport erreichen kann, und wenn man dazu in der Lage ist, ist es ein Traum, der wahr wird.

Weitere für mich wichtige Siege sind der erste Platz beim Olympischen Marathon 2017 mit einem neuen Streckenrekord. Da entdeckte ich, dass ich eine der besten der Welt bin [lacht]. Und der Sieg beim Marathon des Sables 2019 war für mich und meine Karriere sehr wichtig.

Keller Sports: Was sind deine nächsten großen Ziele für 2019?

Ragna Debats: Ich werde der Skyrunning World Series folgen und ein paar Rennen der Golden Trail Series bestreiten, weil ich denke, dass es einige wirklich prestigeträchtige Rennen gibt, wie den Pikes Peak Marathon, Sierre-Zinal und den Mont Blanc Marathon. Wenn ich die gut finishen kann, kann ich nach Nepal. Das ist etwas, das ich wirklich gerne machen würde, weil ich vor ein paar Jahren an einem Rennen in Nepal teilgenommen habe und es sehr schlecht gelaufen ist.

Ich habe eine wirklich schlechte Erinnerung an das Rennen und insgesamt an mich in Nepal. Deshalb würde ich gerne in dieses Land zurückkehren, um meinen Eindruck von Nepal zu ändern und dieses Land zu lieben lernen, so wie es viele andere Menschen bereits tun. Meine Ziele sind also die Skyrunning World Series, die Rennen der Golden Trail Series, die ich gerade erwähnt habe, beide Weltmeisterschaften (Athletics Federation World Championships and International Mountain Running Association World Championships) als auch vielleicht die Europameisterschaften Sky Running. Ragna Debats Interview Trail Runners Races Marathon des Sables Champion 2019 Run Merrell Keller Sports: Wie trainierst du für so extreme Rennen wie einen Ultra Trail? Wie sieht eine typische Trainingswoche aus?

Ragna Debats: Zuallererst mache ich ein laufintensives Training wie viele andere Athleten in der Vorsaison. Dieses Jahr habe ich die Costal Challenge (Costa Rica) gemacht. Es ist eine 6-Tages-Challenge mit vielen Kilometern und das hat mir geholfen, mich perfekt auf die Saison vorzubereiten. Normalerweise habe ich in einer Trainingswoche zwischen zehn und zwölf Trainingseinheiten, also normalerweise zwei Trainingseinheiten pro Tag und einem Ruhetag pro Woche.

Normalerweise trainiere ich mit vielen Intervallen in kurzen Sessions. Diese liegen zwischen 35 Minuten und 2,5 Stunden. Auf dem Fahrrad (Roadbike, nicht Mountainbiken) ist es etwas mehr, also zwischen 1,5 und höchstens 4 Stunden, aber nicht oft. Krafttraining mache ich in der Vorsaison etwa viermal pro Woche. In der Saison ist das weniger und manchmal überhaupt nicht, abgesehen vom Rumpfmuskulatur-Training, das ich jeden Tag mache.

Manchmal habe ich für bestimmte Rennen spezielle Trainingseinheiten. Als ich das Rennen in der Wüste gefahren bin, habe ich zuvor auf einem ähnlichen Terrain trainiert, um mich auf die Wüste einstellen zu können. Jetzt bereite ich mich zum Beispiel auf ein Event in China vor und trainiere viel bergauf, um mich an die Höhe zu gewöhnen, denn im Rennen werden wir auf etwa 4700 m aufsteigen.

Keller Sports: Du trainierst gerne mit sogenannten Natural Running Schuhen, die dem Barfußlaufen sehr nahekommen. Was bieten sie dir für dein Training?

Ragna Debats: Ja, ich liebe es, mit Schuhen zu trainieren, die so nah wie möglich am Barfußlaufen sind. Ich trainiere bei vielen meiner schnellen Trainingseinheiten mit dem Merrell Vapor Glove und dem Merrell Trail Glove. Den Trail Glove verwende ich vor allem auf längeren Runden, 15-20 km auf schnellem Gelände, nicht zu technisch anspruchsvoll. Außerdem mache ich mit dem Trail Glove viele schnelle Bergauf-Sessions wie 2-3 Minuten Intervallen.

Mit dem Vapor Glove laufe ich auf der Laufstrecke und normalerweise auf einem sehr flachen und leicht zu laufenden Untergrund. Die Natural Running Schuhe haben mich in meinen Trainingseinheiten wirklich sehr weitergebracht. Es ist mir wichtig, meine Trainingseinheiten so scharf wie möglich zu machen, so wenig Gewicht wie möglich zu haben und das Gefühl zu haben, so natürlich wie möglich zu laufen. Dies hilft mir sehr, meine technischen Fähigkeiten zu verbessern. Ragna Debats Interview Trail Runners Race Marathon des Sables Champion 2019 Run Merrell Keller Sports: Wie oft wechselst du deine Schuhe während des Trainings? Und was sind für dich die wichtigsten Eigenschaften in Bezug auf Trainings- und Wettkampfschuhe?

Ragna Debats: Während des Trainings wechsle ich normalerweise nicht die Schuhe. Ich mag es nicht, wenn meine Trainingseinheiten gestört werden. Ich bin auf mich allein gestellt und möchte einfach nur arbeiten und trainieren. Da gehe ich nicht mit anderen Menschen raus und genieße es, draußen in den Bergen zu sein. Ich konzentriere mich nur auf das Training und mag es nicht dabei zu stoppen nur um meine Schuhe zu wechseln. Das mache ich nur manchmal, zum Beispiel wenn ich ein spezielles Training mache.

Die wichtigsten Eigenschaften sind die, die ich auch schon in der Frage zuvor angesprochen habe. Ich möchte so schnell und so leicht wie möglich laufen können. Je mehr barfuß desto besser. Im Wettbewerb ist es dasselbe. Ich muss meinen Schuhen vollkommen vertrauen, deswegen laufe ich mit meinen Merrell Trailrunning-Schuhen. Sie sind sehr flexibel und ziemlich leicht. Deshalb sind sie meiner Meinung nach so gut zum Laufen und Trailrunning. Ich habe auch schwerere Merrell-Schuhe, aber ich benutze sie selten, weil sie eben schwerer und weniger flexibel sind. Ich bin ein Pro des Barfußtrainings.

Keller Sports: Welche Rolle spielt Kraft- und Mentaltraining in deinem Trainingsplan?

Ragna Debats: Krafttraining ist für mich besonders in der Vorsaison sehr wichtig. Ich mache in der Vorsaison vier Krafttrainings-Einheiten pro Woche und reduziere diese während der Saison. Dies liegt daran, dass man manchmal mit zu viel Krafttraining, an Schnelligkeit verliert. Es passt vom Training eigentlich nicht wirklich zusammen, aber man braucht eben auch viel Kraft, um schnell laufen zu können. Deshalb ist es in der Vorsaison wichtiger als in der Saison. Ich mache auch eine Art von Krafttraining zur Prävention von Verletzungen.

Mentaltraining ist auch sehr wichtig. Ich denke, es ist entscheidend, ob man ein Gewinner sein wird oder nicht. Es ist ein großer Faktor wie man mental zu seinem Training, Konzentration und Stärke aufgestellt ist. Das gilt im Allgemeinen aber auch in bestimmten Momenten. Wenn du in einem Wettbewerb bist, ist es deine mentale Stärke, die entscheidet, ob du in der Lage bist, all die Kraft zu geben, die du in deinem Körper hast, um zu gewinnen.

Wenn Sie sich zum Beispiel direkt vor einer anderen Person befinden, gewinnt die Person mit der stärkeren Mentalität, nicht die Person, die körperlich stärker ist. Das ist der Grund, warum es so wichtig ist und warum man auch mental stark muss. Ich habe Sportpsychologen, die mir dabei helfen, meine mentale Stärke zu trainieren. Ragna Debats Interview Trail Runner Race Marathon des Sables Champion 2019 Run View Merrell Keller Sports: Wie unterscheiden sich die Trainingsformen für Schneeschuhwandern und Trailrunning?

Ragna Debats: Im Moment laufe ich nicht viel auf Schneeschuhen. Hauptsächlich deswegen, weil ich die letzte Saison sehr spät beendet habe und keine Zeit hatte, Schneeschuhrennen zu laufen. Ich habe dieses Jahr viel Ausdauertraining gemacht. Normalerweise bevorzuge ich in der Vorsaison viel schnelles Training und da mag ich Schneeschuhrennen.

Es ist fast so, als würde man in der Wüste laufen. Es gibt dir viel Kraft, denn der Schnee und die Schneeschuhe machen das Laufen schon vom Gewicht her sehr schwer. Die Trainingseinheiten sind deswegen kürzer, weil man sich nicht verletzen möchte. Und man braucht ein paar zusätzliche Workouts im Fitnessstudio, um sich auf die Schneeschuhe vorzubereiten.

Das ist der Hauptunterschied. Zur Vorbereitung auf Schneeschuhrennen läuft man tatsächlich gar nicht viel auf Schnee, sondern man trainiert eher durch Trailrunning [lacht].

Keller Sports: Läufst du immer noch "normal" auf der Straße oder sogar auf dem Laufband? Oder treibt es dich immer ins Freie in die Berge / Trails?

Ragna Debats: Eigentlich laufe ich nicht auf Asphalt auf der Straße, aber ich laufe viel über Land. Das ist ziemlich gut für meine Schnelligkeit. So viel bin ich gar nicht in den Bergen. Ich mache viele Intervalltrainings mit schnellen kurzen Anstiegen. Auf Laufbändern trainiere ich nicht sehr viel, nur manchmal nehme ich es in meine Trainingseinheiten auf.

Keller Sports: Was würdest du Leuten raten, die mit dem Trailrunning beginnen wollen, oder Leuten, die vor ihrem ersten Wettkampf stehen?

Ragna Debats: Geniest es einfach zu laufen. Das ist der wichtigste Teil. Wenn man es genießen kann, motiviert das einen ungemein. Achtet darauf euch auf kleine Ziele zu stecken. Ziele, die Sie erreichen können, um sich zu verbessern. Die Verbesserung der eigenen Leistung ist das beste Gefühl überhaupt. Es ist immer gut, nach Zielen zu suchen, sie zu erreichen und mit dem Ergebnis zufrieden zu sein.

Selbst wenn es noch so kleine Ziele sind. Auf lange Sicht kann man zurückblicken und denken: "Schau mich an, im letzten Jahr konnte ich nur 5 km laufen und jetzt bin ich einen Halbmarathon gelaufen."

Es ist nicht etwas, was man in ein oder zwei Wochen erreicht. Dafür muss man arbeiten und Schritt für Schritt vorgehen. Ich bekomme oft Fragen von Leuten, die denken, dass sie sich nicht verbessern, aber das tun sie und ich versuche ihnen das klar zu machen.

Manchmal sind die Leute nicht glücklich genug mit sich. Man sollte aber mit jeder einzelnen kleinen Verbesserung glücklich sein. Arbeitet weiter, genießt es weiter und bleibt die ganze Zeit über motiviert. Genießt einfach die Zeit in der Natur. Es ist so friedlich draußen und wir können uns sehr glücklich schätzen, in den Bergen zu sein.