Piste oder Powder? Hier gehen die Meinungen oftmals auseinander: Auf präperierten Pisten bei perfekten Bedingungen mit den Ski Schwünge zaubern oder beim Freeride auf unverspurten Hängen das Freiheitsgefühl und den frischen Schnee genießen?

Diese Frage und noch viele Weitere konnten wir auch Freeride Profi Flo Gassner und Ski Alpin Athlet Heiner Längst stellen. Was sie bewegt hat und wie die Liebe zu ihrem Sport entstand, erzählen uns die Head Athleten im Interview.

Keller Sports: Hallo Flo, hallo Heiner, bitte stellt euch doch am besten mal vor: Was macht ihr genau, wie ist eure Liebe zum Skisport entstanden und wie seid ihr genau auf Freeride bzw. Ski Alpin gekommen?

Flo Gassner (Freeride Ski): Meine Liebe zum Skifahren wurde mir mit Sicherheit schon in die Wiege gelegt. Das Skifahren habe ich von meinen Eltern gelernt, die beide früher Skilehrer waren. Mit ihnen bin ich auch immer schon abseits der Ski Piste unterwegs gewesen. Da hieß das aber nicht Freeriden sondern einfach nur Tiefschneefahren oder eben „Powdern“.

Die 10. Klasse verbrachte ich in Kanada, lebte in einer Gastfamilie und ging dort auf die Highschool. Dort lernte ich zum Glück gleich die verrücktesten Skifahrer kennen, die mich dann in den Genuss des Freeridens einführten.

Zurück in Deutschland fuhr ich dann meine ersten Contests in der Freeride Junior Tour, wo ich meine heutigen Skibuddies kennenlernte. Heute fahre ich Freeride World Qualifier Bewerbe und habe letzte Saison meinen ersten Skifilm „HOME STORIES“ produziert. Heiner Längst (Ski Alpin): Mein Name ist Heiner Längst, ich bin 24 Jahre alt und war die vergangenen 10 Jahre im Leistungssport Ski Alpin unterwegs. In dieser sehr intensiven Zeit habe ich die komplette Ausbildung der verschiedenen Nachwuchskader des Deutschen Skiverbands durchlaufen, bis hin zur Nationalmannschaft. In der vergangenen Saison habe ich mir mit dem Start bei der Weltcup Abfahrt von Bormio einen Traum erfüllt, auf den ich meine gesamte Karriere hingearbeitet habe.

Meine Liebe zum Skisport wurde mir quasi durch meine Eltern in die Wiege gelegt. Sie waren und sind in meinem Heimatverein der TSG Reutlingen aktiv tätig. Von den ersten regionalen Ski Rennen, über meinen Umzug auf das Ski Internat in Oberstdorf, bis zu den nationalen Kaders des Deutschen Skiverbands, waren sie stets an meiner Seite.

Ich liebe es in der freien Natur Sport zu treiben, bevorzugt natürlich im Schnee. Fügt man dann noch die klare kalte Luft auf den Bergen hinzu, bin ich überglücklich!

Keller Sports: Was macht für euch das Skifahren im Tiefschnee oder auf der Piste aus?

Flo Gassner: Für mich ist das Fahren in unberührtem, frischem Pulverschnee das Schönste was ich mir vorstellen kann. Das Gefühl als erster in einen Hang zu fahren, seine Spuren dort so zu hinterlassen, wie man das gerade möchte und einfach nur Schwung für Schwung zu denken, ist für mich einfach nicht zu übertreffen. Aber auch das Landen nach kleineren oder größeren Sprüngen ist im Tiefschnee ein Gefühl für sich. Wie man im Schnee versinkt, dieses dumpfe Geräusch und dann diese Energie, die er dir doch zurückgibt, einfach herrlich! Heiner Längst: Was gibt es schöneres als am frühen Morgen auf einer perfekt präparierten Ski Piste die Schwünge in den Schnee zu ziehen. Für mich gibt es wenig vergleichbares und jeder kennt dieses Gefühl, einen sauberen Schwung an den Nächsten zu reihen.

Keller Sports: Was sind für euch beim Skifahren perfekte Bedingungen?

Flo Gassner: Natürlich sind 30 cm über Nacht und anschließend Sonnenschein ein Traum für jeden, der gerne abseits der Piste unterwegs ist. Aber auch ein verschneiter Tag ohne viel Sicht kann zum Traumtag werden, wenn man zwischen den Bäumen ein paar gute Felder findet. Ich hatte auch schon im Frühjahr wirklich coole Skitage, als wir z.B. in kurzer Hose und T-Shirt eine Skitour in ein schon geschlossenes Skigebiet gemacht haben.

Die perfekten Bedingungen gibt’s es also für mich eigentlich gar nicht. Wichtig für mich ist eigentlich, mit den richtigen Leuten zusammen unterwegs zu sein und Spaß am Berg zu haben.

Heiner Längst: Für mich als Ski Alpin Rennfahrer sind natürlich griffige bis eisige Pisten ein Traum. Wenn der Untergrund nicht nachgibt und ich große Kurvenlagen einnehmen kann, fühle ich mich am wohlsten. Head Ski Alpin Heiner Längst Keller Sports: Welche Ski Ausrüstung habt ihr bei jeder Fahrt dabei?

Flo Gassner: Ein Muss für jeden, der sich im Gelände bewegt ist natürlich die Lawinenausrüstung: ABS-Rucksack, LVS-Gerät, Schaufel und Sonde. Im Rucksack habe ich zusätzlich ein kleines Erste Hilfe Pack und ein Fernglas zum Lines checken. Auch nicht fehlen, darf natürlich eine kleine Brotzeit und etwas zu Trinken. Ach ja, und eins hab ich noch vergessen, die gute Laune, die bleibt nie daheim! Head Ski Freeride Flo Gassner Heiner Längst: Mein Ski Helm mit der passenden Brille, aber vor allem auch mein Rückenprotektor samt Nierengut, dürfen bei keinem meiner Skitage fehlen. So fühle ich mich zwischen den Toren am sichersten. Diese Sicherheit möchte ich auch beim freien Fahren nicht missen. Extrem wichtig ist natürlich auch mein Skischuh. Ein perfekt sitzender Skischuh ist mir fast schon mehr wert wie der Ski.

Keller Sports: Worauf achtet ihr bei der Wahl eurer Ski? Was ist ein "must have" das eure Ski haben müssen?

Flo Gassner (Freeride Ski): Für mich muss ein Ski natürlich vor allem eins sein, breit! Desto mehr Fläche, desto mehr Auftrieb im Pulverschnee. Trotzdem sollte er natürlich stabil genug sein, um größere Sprünge zu landen oder auch mal schneller über verspurtes Gelände zu fahren. Da wir unsere Ski ja auch immer wieder, zum Teil auch auf den ABS-Rucksack geschnallt, nach oben tragen, spielt das Gewicht natürlich auch eine große Rolle.

Meine zwei Waffen: der Head KORE 117 für die fetten Powdertage und der Head KORE 105 als Allrounder und Tourenski. Heiner Längst (Alpin Ski): Beim freien Fahren achte ich vor allem auf den Radius. Ein Ski mit dem ich kurze sowie längere Radien fahren kann, lässt sich auch auf stärker befahrenen Alpin Pisten am besten steuern. Damit kann ich meine Kurven zwischen anderen Skifahrern am sichersten ziehen und kann auf alles reagieren. Momentan fahre ich neben meinen FIS Riesenslalom Ski, am liebsten den i.Race Pro von Head.

Als Zweites setze ich stets auf eine sportliche Platte und Bindung, die meinem aktiven Fahren gerecht wird und mir eine Sicherheit gewährleistet, um meine Limits auszuloten. Keller Sports: Und was macht ihr wenn ihr mal nicht mit Ski im Schnee unterwegs seid? Welchen Sport macht ihr zum Ausgleich oder im Sommer?

Flo Gassner: Wenn ich gerade nicht beim Skifahren bin, studiere ich Bauingenieurwesen in München. Im Winter leidet das Studium ein bisschen am vielen Skifahren, das muss ich dann im Sommer nachholen. In den schneelosen Monaten bin ich trotzdem so viel es geht in den Bergen unterwegs, ob beim Wandern, Biken oder Klettern, die Berge ziehen mich einfach magisch an. Head Flo Gassner Freeride

Heiner Längst: In jeder Zeit, welche ich nicht auf den Ski verbringe versuche ich mich ganzheitlich fit zu halten. Vor allem verschiedenste Stabilisationsübungen, Gleichgewichtstraining und zahlreiche Ausdauerstunden auf dem Rad, beim Laufen oder bei Bergtouren helfen mir um weiterhin belastbar zu bleiben.

Ein super Ausgleich finde ich neuerdings beim Surfen auf der Welle, da ich dies mit Reisen, Sonne und Urlaub verbinden kann. Aber auch Fußball als Mannschaftssportart zähle ich zu meinen Lieblingssportarten.

Keller Sports: Vielen Dank Flo, vielen Dank Heiner, dass ihr euch die Zeit genommen habt. Wir wünschen euch weiterhin viel Erfolg und Spaß bei eurer Leidenschaft und alles Gute für die Zukunft. Und natürlich auch frohe Weihnachten und einen guten Rutscht ins neue Jahr!